Implantate: Gefahr liegt in der Luft
Implants: Danger is in the air
Date: Fri, 18 Feb 2000 14:57:06 +0100
From: meyer
meyerbuchrain@bluewin.chTo: "Micheline B. Lambert"
delphine1939@videotron.caImplantate: Gefahr liegt in der Luft (Implants: Danger is in the air) This article did again inform about the risks.
In January 2000 our Federal Office of Public Health published a statement. (No clear warnings and no advice to take action!) This reassuring message was taken over from many daily news papers. But on the other side, the reports from women with problems with this implants do increase. There will be another TV report on this in two weeks. I gave them an interview too.
Implantate: Gefahr liegt in der Brust
Puls-Tip 12/99, S. 3f.
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Implantate: Gefahr liegt in der Brust
Chirurgen schlagen Alarm: "Soja-Implantate müssen raus!"
Biologisch und gut verträglich: Viele Chirurgen sind dieser Werbung aufgesessen. Sie haben auch in der Schweiz 700 Mal Soja in Brüste eingesetzt. Jetzt zeigt sich: Ein grosser Teil der Implantate zersetzt sich.
Soja-Brustimplantate sind keine Alternative zu Silikon. Auch sie verursachen gefährliche Komplikationen. Dänemark und Grossbritannien verboten die Implantate deshalb in diesem Frühling. Schliesslich zog der Hersteller das angebliche Naturprodukt weltweit vom Markt zurück.
Jetzt erhält der Soja-Skandal eine neue Dimension: Jedes zweite eingesetzte Soja-Implantat sei nach vier Jahren defekt, berichteten kürzlich zwei Ärzte am Europäischen Kongress der plastischen Chirurgen in St. Gallen. Der Verdacht der Ärzte: Das Sojaöl greift die Hülle des Implantats an und zersetzt sie langsam. Die Gefahr, dass ein Implantat plötzlich ausläuft, hält der Chefarzt und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Plastische Chirurgie, Hans Rudolph, für zu gross. "Ich rate den Frauen, ihre Soja-Implantate entfernen zu lassen. Im schlimmsten Fall kann es zu einem tödlichen allergischen Schock kommen." Wer die Implantate behält, müsse sich "unbedingt vierteljährlich, bei Beschwerden sofort untersuchen lassen". Trotzdem verharmlosen laut Rudolph zahlreiche Ärzte noch immer die Risiken. "Es geht ums Geld und weniger um die Gesundheit der Frauen", sagt er. Rudolph geht sogar noch einen Schritt weiter: "Wer unerprobte Implantate einsetzt, verstösst gegen alle Regeln der ärzt-lichen Kunst. Diese Ärzte machen Menschenversuche und missachten das Gelöbnis des Weltärztebundes."
Der Puls-Tip hat schon vor drei Monaten vor den Implantaten gewarnt. "Die betroffenen Frauen müssen zum Arzt", sagte damals Professor Nicolas Lüscher, ehemaliger Leiter der plastischen Chirurgie am Universitätsspital Basel. Nun rät auch er zur sofortigen Operation. "Diese Implantate müssen raus, auch wenn die betroffenen Frauen noch keine Probleme haben." Jan Poëll, St. Galler Arzt und Präsident der Schweizer Gesellschaft für plastische Chirurgie, wiegelt trotzdem ab: "Es gibt keinen Grund, das Implantat auszuwechseln, wenn es keine Beschwerden verursacht." Man experimentiere nicht mit Frauen; Sojaöl werde schon länger "als Nahrungsmittel intravenös und ohne Probleme" verabreicht. "Ein Arzt kann sich nur an die Erfahrungen des Herstellers halten, wenn er ein Implantat wählt", behauptet Poëll weiter. Das sei nicht anders als beim Kauf eines Autos. Nach den neusten Enthüllungen aber haben verschiedene Ärzte kalte Füsse bekommen. Sie bestellen betroffene Frauen in die Praxis. So erhielt auch Sandra B. aus Bern – eine von 700 Frauen mit Soja-Implantaten in der Schweizeinen Anruf. "Der Chirurg wollte mich umgehend sehen. Er gab die Mängel der Implantate zu", sagt die 34-Jährige. Sie hatte seit der Operation vor drei Jahren nichts mehr von ihrem Chirurgen gehört. Dies sei die Regel, nicht die Ausnahme, sagt Cosima Meyer von der Selbsthilfegruppe für silikongeschädigte Frauen. "Einige Ärzte spielen die Risiken bewusst herunter", entrüstet sie sich. "Schnell rein damit und abkassieren. Später wollen sie von den Frauen nichts mehr wissen."
Das grosse Geschäft wollte auch der Hersteller LipoMatrix machen. Nach Tests mit Ratten kamen die Implantate bereits nach drei Jahren auf den Markt. Langzeitstudien mit Frauen fehlten. Doch darüber hat Jan Poëll die Mitglieder seiner Gesellschaft nicht informiert. Er habe sich "nicht speziell" mit diesen Implantaten beschäftigt. Erst als öffentlich Kritik laut wurde, empfahl Poëll den Chirurgen, Soja nicht mehr zu verwenden.
Auch Silikon-Implantate können Probleme machen. In den USA haben Hersteller dies zugegeben. Sie zahlen an die Frauen Hunderte von Millionen Dollar Schadenersatz. Der deutsche Chirurgen-Präsident Hans Rudolph fordert jetzt auch für Europa konkrete Massnahmen: "Neue Brustimplantate muss man zuerst bei Tieren, danach in Langzeitstudien bei Frauen untersuchen." Die Zahl dieser Frauen müsse begrenzt sein. "Frühestens nach zehn Jahren kennt man mögliche Spätfolgen und kann ein Implantat für den Markt zulassen." In Wirklichkeit geht alles viel schneller: In Europa dauert die Zulassung oft weniger als drei Jahre. In den USA müssen Implantate immerhin acht Jahre getestet sein, bis die Ärzte sie unbeschränkt einsetzen dürfen.
Sandra B. aus Bern fühlt sich als Versuchskaninchen missbraucht. Sie möchte es gar nicht erst auf Komplikationen ankommen lassen. "Ich lasse die Soja-Implantate rausnehmen", sagt sie. Kosten: 7500 Franken. Bezahlen muss sie die Operation selber. Der Chirurg ist nur haftbar, wenn er vor der Operation nicht sorgfältig aufgeklärt hat. "Der Arzt muss vor der Operation klar sagen, dass keine Langzeitstudien für das Implantat vorliegen", sagt Hanspeter Kuhn, Generalsekretär der Verbindung Schweizer Ärzte FMH. "Nur wenn sich die Frau bei besserer Information anders entschieden hätte, haftet er."
Thomas Grether Kasten: Zwischenfälle mit Implantaten Chirurgen schweigen,
"Wir wissen nicht, wie viele Komplikationen es mit Brustimplantaten tatsächlich gibt", sagt Isabel Scuntaro vom Bundesamt für Gesundheit. In der Schweiz seien nur die Hersteller und Importeure gesetzlich verpflichtet, Zwischenfälle zu melden. Erst das neue Heilmittelgesetz sehe eine Meldepflicht für Ärzte vor. Die Verordnung dazu tritt laut Scuntaro frühestens Ende nächsten Jahres in Kraft. Anders in Deutschland: Dort schreibt das Gesetz den Chirurgen schon länger vor, Komplikationen mit Brustimplantaten zu melden. Die Verbindung Schweizer Ärzte FMH will jetzt handeln. Sie ist daran, eine zentrale Meldestelle für solche Zwischenfälle einzurichten. Dazu setzten sich Mitte November erstmals Gynäkologen, plastische Chirurgen, Rheumatologen und Patientenorganisationen an einen Tisch.