Swiss Contribution to Website from Canadian Connection

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Date: Fri, 11 Feb 2000 18:00:17 +0100

From: Cosima Meyermeyerbuchrain@bluewin.ch

To: "Tony Lambert" delphine1939@videotron.ca

Silikon

Ein Reizwort fuer die Einen – schmerzliche Realitaet fuer die Anderen!

Februar 2000 - Cosima Meyer, SSF Schweiz,

1994 erregte eine Nachricht aus den USA Aufsehen in der Schweiz:

"Silikonbrustimplantate stehen im Verdacht, schwerwiegende Erkrankungen im Koerper der Frauen auszuloesen!"

Fuer viele Frauen war dies der Beginn eines Abenteuers, dessen Ausgang bis heute ungewiss ist! Nachdem 1992 die amerikanische Behoerde fuer silikongel-gefuellte Implantate ein Verbot erlassen hatte, klagten jetzt amerikanische Frauen gegen die Hersteller. Diese sollen wissentlich Patientinnen und Chirurgen getaeuscht haben. An dieser Sammelklage konnten sich jetzt auch Schweizerinnen beteiligen.

Innert kurzer Zeit meldeten sich ueber 1'500 Frauen bei den Patientenvertretungen in der Schweiz. Die Schweizerische Patienten-Organisation hatte einen Fragebogen fuer Patientinnen ausgearbeitet, der einen UEberblick ueber die aktuelle Situation von betroffenen Frauen geben sollte.

Die Resultate waren beunruhigend:

Demgegenueber waren die Aussagen der Chirurgen eindeutig:

In den Medien war ploetzlich von Symptomen, Beschwerden und gar schweren Erkrankungen die Rede. Schilderungen von Patientinnen loesten bei betroffenen Frauen Verwirrung, Angst und Panik aus. Informationen gab es kaum. Dafuer aber um so mehr Fragen. Diese wurden jetzt an Plastische Chirurgen, Gynaekologen oder andere Operateure gestellt:

In dieser Situation geschah etwas Verhaengnisvolles: Anstatt sich mit den Patientinnen zu solidarisieren und gemeinsam nach Antworten und Loesungen zu suchen, wurde die Situation als amerikanische Hysterie bezeichnet und die Beschwerden der Betroffenen heruntergespielt.

Durch dieses Nicht-ernst-genommen-werden und die Schwierigkeiten bei der Herausgabe medizinischer Unterlagen und Implantate-Herstellernachweise, wurde vielen Betroffenen bewusst, dass soeben ein Vertrauensverhaeltnis zerbrochen war. Schlimmer noch: Das Wort Missbrauch stand drohend im Raum! Die einen Frauen draengte es in die Isolation; andere in den Kampf!

Gruendung der Selbsthilfegruppe fuer silikongeschaedigte Frauen (SSF Schweiz)

"Die Mitglieder einer Selbsthilfegruppe tun sich zusammen mit dem Ziele, sich selbst zu helfen, da ihnen sonst Niemand hilft!"

Die SSF Schweiz im April 1995, unter der Leitung von Team Selbsthilfe gegruendet. Zu Beginn standen die gegenseitigen Schilderungen der Erfahrungen im Vordergrund. Es war eine Zeit der Erleichterung und des Grauens zugleich! Ploetzlich war man mit vielen bedrueckenden oder gar traumatischen Erlebnissen nicht mehr allein. Was man selbst nicht aussprechen konnte, lag durch die Schilderungen anderer Frauen offen auf dem Tisch.

Was den Einen Erleichterung verschaffte, war fuer Andere unertraeglich. Viele der Frauen hatten sehr schwere Verletzungen an Koerper und Seele davongetragen. Fuer die einen war eine Wiederherstellung der Brust der Versuch einer Rueckkehr in die Normalitaet. Andere erhofften sich durch eine Vergroesserung mehr Selbstvertrauen und das Gefuehl nun endlich eine "richtige Frau" zu sein.

Die Ausgangslage zwischen zwei verschiedenen Zielgruppen haette kaum groesser sein koennen! Trotzdem liegen sowohl der Rekonstruktion wie auch der Augmentation der Brust keine physische Notwendigkeit zu Grunde. Vereinfacht ausgedrueckt, dienen beide Indikationen dem Zurechtfinden/Genuegen als Frau in unserer Gesellschaft!

Zu diesem Zeitpunkt konnte dies in der Gruppe noch nicht thematisiert werden. Andere, z.T. existentielle Probleme standen an. "Wohin sollte man sich wenden, bei geplatzten Implantaten? Was tun, wenn das Vertrauen in den bisherigen Chirurgen gestoert oer gar zerbrochen war? Wie reagieren, wenn der Hausarzt noch nie etwas von der Silikonproblematik gehoert hatte? Wer half weiter, beim Fehlen medizinischer Unterlagen? Wer konnte UEbersetzungen im Zusammenhang mit der Sammelklage machen? Welche Spezialisten halfen weiter, wenn bei anhaltenden Beschwerden "nichts" gefunden wurde? Wie konnte man einen Anwalt finden? Wer war zustaendig fuer ....? Was tun, wenn die Therapien nicht weiterhalf? Worauf sollte bei einem Implantatwechsel geachtet werden? Welche Abklaerungen waren noetig bei..... Etc.

Die Noete der Frauen, aber auch die wachsende Nachfrage der Fachleuten nach Informationsmaterial veranlasste die SSF Schweiz immer tiefer in dieses komplexe Thema einzusteigen. Die heutige Taetigkeit erstrecken sich auf folgende Gebiete:

Wie weiter?

Noch ist die Kontroverse Silikon nicht beendet. Auch an der Implantationspraxis hat sich nichts Wesentliches veraendert.

An diesen Tatsachen aendert auch der neueste Report des I.O.M. (Institut of Medicine, USA) nichts. Im Gegenteil: Es stimmt uns sehr bedenklich, wenn auf mehr als 400 Seiten zur Hauptsache bestaetigt wird, was alte Studien und vorhergehende Reports aussagten: Man hat keinen Zusammenhang zwischen Autoimmunerkrankungen und Silikonbrustimplantaten gefunden. Demgegenueber stehen ueber Hunderttausend Erfahrungsberichte von betroffenen Frauen! Diese wurden bei keinem dieser Science Panels mitberuecksichtigt!

Wem dient unsere Wissenschaft heute? Zweifel an der Unabhaengigkeit und Neutralitaet von Wissenschaftlern werden heute von verschiedenen Seiten angemeldet. Wissenschaftler und Interessensvertreter finden sich heutzutage zu oft im selben Boot wieder.

Die zweite Aussage des I.O.M.-Reports, wonach die lokalen Komplikationen viel schwerwiegender sind als angenommen, geht nach den Aussagen, wonach Silikon kein gefaehrliches Material sei, voellig unter. Dass jede 4. Frau innerhalb der ersten 5 Jahre mindestens ein Mal zusaetzlich operiert werden muss, und dass die Rupturhaeufigkeit, nach 20 Jahren 90 % sein soll, schein kaum Jemand zu beunruhigen!

Eine derart hohe Komplikationsrate wuerde wohl bei keinem medizinisch notwendigen Medizinprodukt auf eine Bewilligung hoffen koennen. Dass dies aber mehr als 150'000 Frauen in der Schweiz zugemutet wurde, verschlaegt allen Beteiligten erneut die Sprache!

Es stellt sich ernsthaft die Frage: Wie lange will man Frauen noch missbrauchen und zu welchem Zwecke geschieht dies? Bald 40 Jahre sollten genuegen fuer ein Experiment, welches keine medizinische Notwendigkeit darstellt!

 

The Canadian Connection would like to tank you for this great article.

May God help you in your task.

Tony Lambert

 

 

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